Präklinischer Notfallultraschall: Schneller zur richtigen Diagnose

Präklinischer Notfallultraschall: Schneller zur richtigen Diagnose





Mobile Ultraschallgeräte sind von wachsender Bedeutung für die präklinische Notfallversorgung. Die ortsunabhängige Bildgebung in Echtzeit kann maßgeblich dazu beitragen, die Zahl möglicher Differentialdiagnosen zu reduzieren und binnen kürzester Zeit die adäquate Therapie einzuleiten und eine geeignete Klinik auszuwählen. Unfallopfer mit schweren abdominellen oder thorakalen Verletzungen profitieren davon ebenso wie Patienten mit kardiozirkulatorischen, gastrointestinalen oder respiratorischen Erkrankungen. Nicht von ungefähr haben portable Ultraschallgeräte heute bereits vielerorts einen festen Platz in Rettungshubschraubern. Um dies auch in Rettungswagen als Standard zu etablieren, forderte die DEGUM bereits 20131 eine konsequente Nachrüstung bodengebundener Rettungsmittel.

Hohe Anforderungen an die Geräte
Notärzte müssen sich einen raschen Überblick über den Zustand des Patienten verschaffen sowie gestörte Vitalfunktionen wiederherstellen und aufrechterhalten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Geräte für den mobilen Notfall-Ultraschall: Sie sollten für medizinische Anwendungsfälle konzipiert, einfach zu bedienen und robust sein, außerdem verlässliche Daten liefern und einen Export der Daten unterstützen. Ein System, das diese Kriterien erfüllt, ist das Vscan Extend von GE Healthcare. Das smartphone-große Gerät wurde speziell für die schnelle Erstversorgung entwickelt und verfügt neben einem großen Touchscreen über die einzige am Markt verfügbare Dualsonde mit Linear- und Sektorschallkopf. Da beide Arrays in ein und demselben Gehäuse verbaut sind, entfällt das Umstecken des Schallkopfes, sodass der für die Untersuchung benötigte Schallkopf binnen Sekunden einsatzbereit ist. Ein weiterer Vorteil: Im Unterschied zu kabellosen Ultraschallsonden, die per App an Smartphones oder Tablets betrieben werden, handelt es sich beim Vscan Extend um eine kabelgebundene Einheit (stand-alone medical device). Dies schließt einen plötzlichen Verbindungsabbruch zwischen Gerät und Sonde während der Untersuchung ebenso aus wie ein „Ausleiern“ der Buchse, an die die Sonde angeschlossen wird. Überdies sind alle Daten und Bilder zentral auf nur einem Gerät gespeichert und nicht auf alle Smartdevices verteilt, die zur Nutzung von verschiedenen Anwendern mit dem Schallkopf verbunden werden.

Das A & O: Praxisnahe Aus- und Weiterbildung am Gerät
Gleichwohl kann auch die beste medizintechnische Ausrüstung ihre Vorteile nur ausspielen, wenn der Rettungsarzt den Umgang mit ihr beherrscht. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von Vorbehalten gegen technische Neuerungen über lückenhaftes Know-how bis hin zu fehlender Routine. Praxisorientierte Aus- und Weiterbildungsangebote, die neben dem technisch-apparativen Wissen auch die Fähigkeit zur Erhebung und Interpretation von Ultraschallbildern vermitteln, könnten dies ändern – vorausgesetzt, das erworbene Know-how wird regelmäßig aufgefrischt, um dem rasanten technischen Fortschritt Rechnung zu tragen. Ist dies gewährleistet, sind Fortbildungen ein wirksamer Stellhebel zur Verbesserung der ärztlichen Handlungskompetenz und notfallmedizinischen Effektivität. So befasst sich auch das im Thieme Verlag erschienende Fachbuch „Basiswissen POCUS“ mit dem Einstieg in die Sonographie und vermittelt dem Leser strukturiert das Erlernen von Point of Care Ultraschall-Untersuchungstechniken.

Ziel des präklinischen Ultraschalls ist es nicht, die organbezogene, fachzentrierte Ultraschalldiagnostik in den Krankenhäusern zu ersetzen, sondern in zeitkritischen Notfallsituationen Hilfestellung bei wegweisenden klinischen Entscheidungen zu leisten und damit die Überlebenschancen des Patienten zu erhöhen. Um den Wissenstransfer voranzutreiben, stattet GE Healthcare schon seit Jahren Fortbildungsakademien mit mobilen Ultraschallgeräten für den präklinischen Einsatz aus, darunter auch die Deutsche Luftrettung. Zudem engagiert sich das Unternehmen vor Ort in den Kursen und bietet ergänzend Video-basierte Weiterbildungskurse an.
Um den Anwendern von portablen Ultraschallgeräten eine erhöhte Sicherheit während der Rettungseinsätze zu bieten, werden die Vscan Extend Geräte mit standartisierten Untersuchungsprotokollen ausgestattet, die den Notarzt Schritt für Schritt durch die Untersuchung führen.

Telemedizinisches Pilotprojekt unterstützt Notärzte im Rettungseinsatz
Obgleich Fortbildungen entscheidend dazu beitragen, das Qualifikationsniveau im Bereich des präklinischen Ultraschalls anzuheben, kommt es im rettungsdienstlichen Alltag immer wieder zu Situationen, die eine darüberhinausgehende Unterstützung erforderlich machen. Der Grund: anders als ihre Kollegen in den Notfallambulanzen der Kliniken, sind Notärzte im Rettungsdienst in der Regel auf sich allein gestellt. Als medizinische Einsatzleiter tragen sie die alleinige Verantwortung für den Erfolg des Notfalleinsatzes. Eine Herausforderung – nicht nur für junge, unerfahrene Assistenzärzte, sondern auch angesichts wechselnder Zusammensetzungen von Rettungswagenteams.

Welchen konkreten Beitrag Telemedizin leisten kann, um Notärzte im Rettungseinsatz bei Bedarf konsiliarisch zu unterstützen, untersucht seit Anfang 2018 das Pilotprojekt „digilog“ der Medizinischen Hochschule Brandenburg in Neuruppin unter Mitarbeit durch GE Healthcare. Ziel ist unter anderem, Erfahrungen zu sammeln mit audiovisuell vermittelten Arzt-zu-Arzt-Kontakten unter Einbeziehung von Echtzeitbildern und biometrischen Messsignalen sowie deren Übertragung vom Einsatzort in die zuständige ärztliche Einsatzzentrale.2 Erste Ergebnisse der im Aufbau befindlichen Feldversuche sind im Februar 2019 publiziert worden.

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